Was mache ich mit dem Blog?

Der Blog handelt eigentlich von Aufenthalten in der Klinik Mara1. Soll ich damit aufhören Blogbeiträge zu verfassen. Mit der Klinik bin ich immer noch in Kontakt. In sechs Monaten komme ich für zwei Nächte zu einer Verlaufskontrolle und dies wiederholt sich in 18 Monaten. Dann ist noch die Verbindung mit Patienten von den Stationen 2a und 3c und dazu kommt die Facebook Gruppe „Wir waren in Mara1“. Gelernt habe ich bei meinem letzten Aufenthalt, was die Psyche bewirken kann und das nicht Depressionen auch eine weitere Behinderung verursachen können. Es geht um Unverständnis der Bevölkerung, welches noch stärker als bei anderen Behinderungen ist. Das ist ein Thema was viel Raum einnimmt und auf das ich eingehen werde.

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Der letzte Abend,

von diesem Aufenthalt. Wir haben in der „Neuen Schmiede‘, anschließend ging es in die Disco. Es war kein Ausfall zu beklagen, Christin und Deniz hatten keinen Anfall. Leider konnte Steffi nicht mit, vielleicht hätte sie einen Anfall bekommen, in der letzten Zeit geht es ihr nicht so gut. Als am Nachmittag mein Koffer gepackt wurde, da habe ich erfahren was ich den Leuten hier wert bin und das scheint einiges zu sein. Es war ein Aufenthalt der mit nichts zu vergleichen ist und der auch nicht wieder kommt. Es kommt darauf an, was man aus einer Situation macht. Es ist unsere eigene Entscheidung und niemand darf sie für uns treffen. Wir befinden uns in einer Schutzzone, nicht im realen Leben. Trotzdem können wir einiges nach zu Hause mitnehmen und die reale Welt etwas verbessern.

Bald zu Hause

Hier auf der Station 3C habe ich nicht nur gelernt, welche Möglichkeiten es gibt um psychogene Anfälle zu unterbrechen oder zu verhindern das ein Anfall entsteht. Was ich gesehen habe, das ist das die meisten der anderen Patienten den Auslöser des Anfalls durch eine negative Erfahrung haben. Wenn es aber heißt “ Teilhabe durch Barrierefreiheit“ dann sieht man die körperbehinderten Menschen. Mit Katrin Langensiepen von Bündnis 90/Die Grünen zieht wahrscheinlich die erste Körperbehinderte Abgeordnete in das Europaparlament ein. Sitzen vielleicht schon Abgeordnete mit einem psychischen Handycap im Europäischen Parlament? Mit Sicherheit wird es so sein. Es wird aber niemand zugeben, diese Blöße wird sich niemand geben. Auch im Deutschen Bundestag werden Abgeordnete mit einem psychischen Handycap sitzen, Abgeordnete die gegen Teile des Bundesteilhabegesetz es gestimmt haben und die jetzt deshalb darin nicht enthalten sind. Es geht jetzt darum das die Gruppe der psychisch kranken Menschen eine Stimme bekommt, allerdings müssen sich diese Menschen auch selbst eine Stimme geben. Im Vorstand der AG Selbst Aktiv in Peine wird es wahrscheinlich einen Wechsel geben. Die neue Vorsitzende wird ein psychisches Handycap haben. Im Bezirk Braunschweig Versuche ich einen Wechsel im Vorstand der AG Selbst Aktiv zu erreichen, um dann auch dort den psychisch kranken Menschen eine Stimme zu geben. Der Einsatz für die Menschen mit einer Körperbehinderung ist ja selbstverständlich. Ich bin gespannt was ich ändern kann und mit wem ich es ändern kann.

Weihnachtsfeier

Es geht um die Weihnachtsfeier auf der Station 3C. Die Station 3C ist etwas besonderes. Ist es die Arbeit mit Gefühlen die uns für Gefühle anderen Patienten gegenüber empfänglich er macht? Die Zeit die ich verlebe ist auch intensiver. Ich wollte aber eigentlich über die Weihnachtsfeier schreiben und gleichzeitig über eine Abschiedsfeier. Die Weihnachtsfeier wurde vom Pflegepersonal ausgerichtet. Neben dem Pflegepersonal war die Ärztin und Therapeuten anwesend. Es gab Schweinebraten mediterran, eine Gemüselasagne, Röstgemüse, Nudeln und zum Abschluss eine Dreierlei Mousse. Finanziert wurde es durch Spenden die das Pflegepersonal bekommt wenn jemand entlassen wird und es soll einen Sponsor geben. Auch ein Geschenk gab es, ich bekam einen Kalender mit schönen Landschaftsaufnahmen. Leider ging die Feier schnell zu Ende, aber auch das Pflegepersonal möchte Feierabend haben.

Aber es ist ja auch ein Abschied für eine Patientin, Theresia verlässt uns. Es wird kein Abschied ohne Wiedersehen sein, Theresia wird wahrscheinlich im BBW eine Ausbildung machen, so wie auch Deniz. Ich werde nicht auf ihre Anfälle eingehen, dies ist auch nicht möglich. Wünschen werde ich es niemand dies mit zu bekommen. Wie lebenslustig Theresia nach den Anfällen noch ist, auch das lässt sich nicht beschreiben. Was für einen Spaß hatten wir alle zusammen, es war unglaublich. So ist uns der Abschied von ihr sehr schwer gefallen und ich freue mich darauf wenn wir uns wiedersehen.

Der Klinik Mara1 und Bethel werde ich immer verbunden bleiben, nach diesem Aufenthalt erst recht. Es geht um die Ängste von Christin, Theresia und Theresia, Ängste die von anderen Menschen nicht verstanden werden. Für das Verständnis werde ich mich zu Hause einsetzen. Gibt es doch den Artikel 8. Durch die Umsetzung dieses Artikels soll das Bewusstsein der Bevölkerung gegenüber den Menschen mit Behinderungen geschärft werden. Diese Umsetzung ist eine Verpflichtung.

Wir sind anders und leben anders

Bei diesem und letzten Besuch der Disco in diesem Jahr gingen wir mit weihnachtlichen Zipfelmützen.

Natürlich nicht nur Theresia, Deniz und Christin, wir hatten alle unsere Zipfelmützen auf und gingen so in die Disco. Es war eine gute Stimmung und es gab auch weihnachtliche Musik. Bald wurden die Zipfelmützen an andere behinderte Besucher der Disco verschenkt und so machten wir ihnen eine Freude.

Die Zipfelmütze hat die junge Frau mit einem Down-Syndrom von mir. Auch die Tüte die sie in ihrer Hand hält. Ich hatte sie von Knecht Ruprecht oder dem Nikolaus bekommen, eine größere Freude hätte ich mir und dieser jungen Frau nicht machen können. Sie tanzte den ganzen Abend mit dieser Tüte in beiden Händen. Das bleibt im Gedächtnis und ist einfach eine schöne Erfahrung.

Diese schönen Momente dürfen uns aber nicht täuschen. Der Besuch der Disco ist für die Menschen eine der Möglichkeiten aus dem täglichen tristen leben heraus zu kommen und mir hat es gezeigt, wir dürfen nicht darauf warten das diese Menschen zu uns kommen, wir müssen zu ihnen kommen. Das Leben dieser Menschen muss verbessert werden. Manche werden es nicht bemerken wenn sich etwas verbessert. Wir, die Menschen mit Behinderungen die in der Lage sind uns für unsere Rechte, für die Rechte der Menschen mit Behinderungen einzusetzen, wir müssen diese Rechte einfordern und dabei ist es egal wo wir sie in der Gesellschaft einfordern, wir müssen es nur tun.

Disco in Bethel

An den letzten beiden Mittwoch Abenden waren wir von der Station 3C in der Bethel Disco. Eine Disco, dort wo Menschen mit Behinderungen leben? Ja, das gibt es und damit ist ein Erlebnis verbunden, dies Erlebnis werden nur wenige „normale“ Menschen haben. Aber es kommen auch aus Bielefeld Besucher dieser Disco. In der Disco sieht man wie jemand von seinem Betreuer durch die Disco geschoben wird. Eine junge kleinwüchsige Frau tanzt ganz versunken und geniesst den Abend. Die Kleidung ist völlig unterschiedlich, angezogen wird was einem gefällt, man will nicht anderen gefallen.

Es ist verrückt was an dem ersten Abend in der Disco abging und es hat allen viel Spaß gemacht. Wir sind zusammen gekommen und wir gingen auch zusammen in die Klinik. Christin hatte einen Anfall und so gingen wir früher als geplant in die Klinik zurück. Doch Christin hat auch etwas geschafft. Trotz ihrer Platzangst ging sie mit in die Disco, der Anfall war beinahe eine logische Folge. Sie hat aber die Angst überwunden und alles hat seinen Preis.

Denke ich an Kinder,

dann fallen mir zuerst fröhliche und spielende Kinder ein. Diese Kinder sehe ich wenn ich zu Hause bin. Hier war ich heute in der Halle bei dem Empfang und habe auf eine Patientin gewartet. Ich kenne sie von meinem letzten Aufenthalt und nun treffen sich hier wieder viele als Patient wieder. Zurück zu den Kindern, es waren Kinder vom Säugling bis ca. 10 Jahre. Sie kamen auch aus allen Gesellschaftsschichten. Eine Mutter kam mit ihrem Kleinkind. An der Karre und der Kleidung konnte man sehen das sie aus der oberen Klasse kam. Dann konnte ich das Gesicht von dem Kleinkind sehen. Das Kind war schwerstbehindert. Für das Kind und die Eltern ist es schlimm. Man kann jedoch sehen, es sind wirklich alle Menschen betroffen. Förderlich für die Psyche ist für mich so etwas nicht, gleichzeitig muss man sich damit beschäftigen, zu Hause kann ich mich davor auch nicht schützen. Wünschen würde ich mir aber das Menschen die Entscheidungen treffen die diese Menschen betreffen, das diese Menschen sich das einmal anschauen, mit den Patienten hier einmal sprechen.